Warum der neue Entwurf des LJG eine Enttäuschung ist

Bild zu: Warum der neue Entwurf des LJG eine Enttäuschung ist

Die Debatte um das neue Landesjagdgesetz in Rheinland-Pfalz geht in die nächste Runde. Nach unserer Stellungnahme zum Gesetzentwurf richten wir den Blick nun auf die kommende Landesjagdverordnung.

Unsere Kernforderung ist klar: Wir müssen die Position der Jagdrechtsinhaber stärken, um den Wald von morgen zu sichern.

Es geht hierbei nicht um Profit oder Gewinnmaximierung. Es geht um die größte ökologische Herausforderung unserer Zeit: den Aufbau klimaresilienter Wälder. Dafür muss die Verordnung bürokratische Hemmnisse abbauen und echte Freiräume schaffen, um die Wildbestände effektiv anzupassen.


Mythos Dezimierung: Die Bestände sind höher denn je

Die Sorge einiger Jäger, dass die Schalenwildbestände (wie Rehe und Hirsche) zu stark dezimiert werden könnten, ist unbegründet. Fakt ist: Die Wildbestände in Rheinland-Pfalz sind auf einem historischen Höchststand.

Die Praxis zeigt leider, dass in vielen Revieren kein ausreichendes Interesse daran besteht, diese überhöhten Bestände zu reduzieren. Erfolge im Waldumbau sehen wir aktuell nur dort, wo Jagdrechtsinhaber klare Zielvereinbarungen mit den Jägern treffen und diese auch konsequent einfordern können.


Drei Stellschrauben für eine zukunftsfähige Jagdverordnung

Damit der Waldumbau gelingt, muss das Land an folgenden drei Punkten ansetzen:

  • Blockaden lösen: Interessen, die einer Anpassung der Wildbestände entgegenstehen, dürfen sinnvolle Entscheidungen nicht länger blockieren. Ihr Einfluss in den Entscheidungsverfahren muss klar begrenzt werden.
  • Behörden stärken: Die Unteren Jagdbehörden stoßen personell und fachlich oft an ihre Grenzen. Bei einer erheblichen Gefährdung geschützter Belange muss daher die Obere Jagdbehörde für das Rotwild zuständig sein.
  • Keine falschen Signale bei Dam- und Muffelwild: Die geplanten Regelungen zu freiwilligen Dam- und Muffelwildringen passen nicht zur dramatischen Wald-Wild-Situation in den betroffenen Regionen. Wir lehnen diese daher ab.

Zudem besteht akuter Handlungsbedarf bei den Jagdzeiten: Eine Korrektur der Jagdzeit für Rotwild (siehe Details zu § 33) ist dringend erforderlich.

 

Überlebensfrage für unsere Wälder

Bereits im Klimabericht von 2007 wurde für die Wälder in Rheinland-Pfalz genau das prognostiziert, was heute bittere Realität ist: Zunehmender Trockenstress, massive Sturmschäden und die unaufhaltsame Ausbreitung von Schadinsekten. Der notwendige Umbau hin zu klimaresistenten, ökologisch stabilen Mischwäldern ist längst keine Option mehr – er ist eine Überlebensfrage für unsere Natur.

Doch dieser existenzielle Waldumbau scheitert in vielen Teilen von Rheinland-Pfalz seit Jahren an einem entscheidenden Faktor: an viel zu hohen Wildbeständen.

Vor diesem Hintergrund ist der aktuelle Änderungsentwurf der Landesregierung zum Landesjagdgesetz ein herber Rückschritt. Statt die Weichen mutig auf Zukunft zu stellen, werden dringend notwendige gesetzliche Vorgaben wieder aufgeweicht. Der Entwurf verliert die Balance und stellt Partikularinteressen einer einflussreichen Minderheit in der Jägerschaft über das Gemeinwohl.


Das ewige Dilemma: Wenn Tradition den Waldumbau blockiert

Dass Handlungsbedarf besteht, ist politisch eigentlich längst Konsens:

  • 2019 forderte die damalige Bundesministerin Julia Klöckner auf dem Nationalen Waldgipfel: „Wir müssen Wald und Wild gemeinsam denken! [...] Wo zu hohe Schalenwilddichten die Wiederbewaldung gefährden, müssen wir handeln.“
  • In der Walderklärung 2019 von RLP wurde festgehalten: Die Regulierung des Wildes auf ein Niveau, das eine natürliche Verjüngung der Hauptbaumarten ohne Schutzmaßnahmen erlaubt, ist die Grundvoraussetzung für den Klimaschutz.

Die Realität sieht anders aus: Das gemeinsame Strategiepapier „Waldumbau Wild und Jagd“ hat in der Praxis versagt. Die Evaluierung zeigt drastische Umsetzungsdefizite. Angepasste Wildbestände sind die absolute Ausnahme. Stattdessen prägen unzählige Plastik-Schutzhüllen und Zäune gegen Wildverbiss unsere Wälder. Ein traditionelles Jagdverständnis bestimmt in vielen Revieren noch immer das Handeln.


Schalenwild profitiert vom Klimawandel – Der Wald leidet

Rheinland-Pfalz gehört ohnehin zu den wildreichsten Bundesländern. In den letzten zehn Jahren kamen jährlich zwischen 130.000 und 200.000 Stück Schalenwild zur Strecke. Und die Zahlen werden weiter steigen:

  • Ausbleibende harte Winter und riesige kahle Waldflächen bieten dem Wild Futter im Überfluss.
  • Es entstehen extrem dichte Gebüsche, in denen die Jagd immer schwieriger wird.

Wir müssen uns keine Sorgen um den Fortbestand von Hirsch und Reh machen – wir müssen uns Sorgen um unsere Lebensgrundlage machen!

Sterbende Buchen- und Eichenwälder können ihre Schutz- und Pufferfunktionen nicht mehr wahrnehmen. Wenn die natürliche Verjüngung fehlt, wird bei Starkregen wertvoller Waldboden einfach abgeschwemmt. Die dramatischen Bilder aus dem Kesselinger Tal nach den Unwettern im August zeigen unmissverständlich: Wenn wir den Wald nicht schützen, drohen uns immer häufiger Katastrophen wie im Ahrtal.


Unsere konkreten Forderungen zu den Paragrafen:

Um die Blockaden zu lösen, müssen Jagdhemmnisse konsequent abgebaut und engagierte Jagdrechtsinhaber gestärkt werden. Bei den folgenden Paragrafen fordern wir dringende Nachbesserungen:

Zu § 17: Schwerpunktgebiete und Bewirtschaftungsgemeinschaften für das Rotwild

  • Obere Jagdbehörde in die Pflicht nehmen: Die unteren Jagdbehörden sind personell und fachlich absolut überfordert. Die Aufsicht über die Bewirtschaftungsgemeinschaften sowie die Neuabgrenzung von Schwerpunktgebieten müssen zwingend bei der oberen Jagdbehörde liegen.
  • Rechte der Eigentümer wahren: Jede Anpassung der Außengrenzen von Rotwildgebieten muss an die explizite Zustimmung der betroffenen Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer als Grundeigentümer gekoppelt sein.
  • Keine Aufhebung der Rotwildgebiete: Die geplante Aufhebung der Rotwildgebiete ist unverantwortlich. Das Argument der Inzucht ist wissenschaftlich widerlegt: Langzeitanalysen der Universität Trier an über 2.300 Individuen zeigten eine hohe genetische Vielfalt und keinerlei negative Inzuchteffekte. Eine jagdliche Raumordnung ist für den Waldschutz unabdingbar!

Zu § 18: Jagdpacht

  • Schnelleres Handeln für Eigentümer: Sobald eine fachbehördliche Stellungnahme eine Gefährdung des Waldes durch Wildverbiss feststellt, muss eine aktive Jagdbeteiligung befähigter Jagdgenossen sofort und unkompliziert möglich sein. Wir dürfen nicht warten, bis der Schaden irreparabel ist.

Fazit: Zeit für echte Konsequenzen

Der Wald der Zukunft braucht ein Gesetz mit Zähnen. Es kann nicht sein, dass die Eigeninteressen einiger Jäger über die Trinkwasserspeicherung, den Hochwasserschutz und die Zukunft unserer Wälder gestellt werden. Die Landesregierung muss diesen Entwurf dringend korrigieren und die Balance zugunsten unseres Waldes wiederherstellen.